1100 Jahre alt: Der historische Straußenhof

20. September 916: der Straußenhof (Königshof) beherbergt die Synode von Hohenaltheim

Bild links (c): Ausschnitt aus "Des reichen bauers straußenhof" von 1720 anlässlich eines Besuchs von Herzog Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel bei seinem Schwager, Fürst Albrecht Ernst II. in Hohenaltheim. Johann Andrea Thomasius hielt mit einer Rabenfeder die wichtigsten Reiseereignisse fest, darunter diesen bäuerlichen Hochzeitszug aus Niederaltheim kommend, der sich Richtung Kirche in Hohenaltheim bewegt. Das Original befindet sich in der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel. Vielen Dank an Hartmut Steger, Wallerstein.

2016 wird der Straußenhof und die Gemeinde Hohenaltheim 1100 Jahre alt. Vermutlich bestand der Hof schon bei der Besetzung des Alemannenreiches durch die Franken 496. Erstmals erwähnt wird er 916 anlässlich der Reichssynode: Vom 20. bis 23. September berief Konrad I. die ostfränkischen Bischöfe nach „Altheim, im Gaue Raetia“. Im geräumigen Fron- oder Königshof, dem heutigen Straußenhof, bezog man Quartier. Unter dem Vorsitz des päpstlichen Legaten Bischof Petrus von Orta berieten die Beschöfe darüber, wie sie die schwierige Lage des Reiches beheben könnten. Die Zustände waren durch die Widerspenstigkeit mehrerer Herzöge gegen den schwachen König Konrad I. fast unhaltbar geworden. Drei Tage fastete man, hielt liturgische Gottesdienste und verdammte die Herzöge Erchanger und Berthold zu lebenslänglicher Klosterhaft. In 38 Artikeln wurden die Beschlüsse niedergelegt. Es ging um die Anhebung der Kirchenzucht, die Sicherung des Kirchengutes und die Bewahrung der staatlichen und kirchlichen Belange vor herzöglicher Willkür.

Seit dem Jahr 1100 war das Benediktinerkloster in Ellwangen Grundherr des Fronhofs. 1347 schließlich verleiht König Karl V. dem Hof das Asylrecht: Verfolgte, Verurteilte und Angeklagte konnten auf den Hof flüchten. Kaiser Friedrich III. (*1415) bestätigte dieses Recht.

1347 verkaufte Konrad von Hürnheim-Hochhaus Burg und Herrschaft Hochhaus an die Grafen Oettingen. Dabei wurde auch der Fronhof mitveräußert. 1404 ließen sich die Grafen ihre Rechte durch ihnen verbundene Riesadelige bestätigen. .In diesen Urkunden werden erstmals die Gastungs- und Weinwagenrechte der Oettingen genannt. Das Kloster in Ellwangen anerkannte diese Eingriffe nicht und beschwerten sich bei Ruprecht III. (*1352), der die streitenden Parteien 1405 verglich. Nachdem es immer wieder zu Streitigkeiten wegen der Rechte der Oettingen kam, schlossen das Kloster und die Grafen im Jahre 1482 einen Vertrag, der die Pflichten des Fronbauers gegenüber den Oettingen genau festlegte. 1489 wurde der Fronhof mit allen Zugehörungen dem Michael Strauß beliehen. 1514 bekam Adam Strauß, ein oettingischer Leibeigener, den Hof verliehen, der 1519 seinem Sohn den Hof verlieh. Dieser starb 1569 und war verheiratet mit Magdalena Bauer, einer Tochter des Michael Bauer aus Niederaltheim, einem direkten Vorfahren des heutigen Besitzers. Die Familie Strauß war nachweislich bis 1628 „Maier“ auf dem Fronhof.

Während des 30-jährigen Kriegs wurden die Aktivitäten der Amtschreiber unterbrochen.  1633 wurde Hohenaltheim dreimal ausgeplündert, 1634 fand die Schlacht am Albuch bei Nördlingen statt, die der katholischen Liga den Sieg über die evangelische Union brachte. Zu dieser Zeit flüchteten sich die Bewohner Hohenaltheims hinter die starke Mauer, die den Hof noch heute umgibt.
Um 1700 erfolgt ein Aufschwung durch den Neubau des Schlosses. Die 1674 in den Fürstenstand erhobene Linie Oettingen-Oettingen des inzwischen in vier Linien aufgespaltenen Hauses Oettingen ließ anstelle des alten verfallenen Schlosses der Ritter von Altheim ein gefälliges, im Stil des Rokoko gehaltenes Schloss erbauen und verlegte in den Sommermonaten teilweise ihre Residenz nach Hohenaltheim. Heute ist das Schloss Hauptwohnsitz von Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein.

1736 zerstört ein Brand auf dem Hof zwei Städel. 1802 muss Familie Strauß den Hof wegen Überschuldung verkaufen, Die Fürsten Oettingen-Wallerstein ergriffen die Gelegenheit und übernahmen am 14. April 1802 den Hof. Da Kloster Ellwangen noch immer Grundherr war, musste es seinen lehensherrliche Konsens geben.

Während der Säkularisation wurde denn das Königreich Württemberg Lehensherr auf dem Straußenhof. 1816 ersteigerte das fürstliche Haus den Hof. Er diente bis 1932 als Försterwohnung.

1932 verkaufte Eugen-Wolfgang Fürst zu Oettingen-Wallerstein den Straußenhof zusammen mit der durch die Mauer umgebene Fläche für 6000 Reichsmark an Heinrich Bauer, den Vater des heutigen Besitzers.

Die Familie Bauer ist mindestens seit dem 15. Jahrhundert in Hohenaltheim bzw. Niederaltheim ansässig. 1975 wurde Heinrich Bauer, der älteste Sohn, als Besitzer ins Grundbuch eingetragen. Er bewirtschaftete den Straußenhof bis zu seinem frühen Tod 1992.

Von ihm erbte der jüngerer Bruder und heutiger Besitzer, Dr. Friedrich Bauer den Straußenhof. Nach einem Großbrand im Dezember 1995, der das Hauptgebäude vollständig zerstörte, baute der Betriebswirt, Landwirtschafts-, Brau- und Mälzermeister den Straußenhof wieder auf. 2002 wurde "Bauers Brauerei und Taferne" samt Biergarten eröffnet, die inzwischen ganzjährig, jedoch nur nach Absprache individuell für Familien- und Firmenfeiern, Ausflüge und Events geöffnet werden. Ein jährlicher Höhepunkt war der "Hohenaltheimer Stadel-Weihnachtsmarkt" auf dem Straußenhof, der von 1995 bis 2009 immer am 2. oder 3. Adventwochenende stattfand. Mehrere Tausend Besucher aus der ganzen Region bummelten dann über den Weihnachtsmarkt in den alten Stadeln des Hofes.

Text: Stefanie Saam
Quelle: Dr. Wilfried Sponsel, Archivar der Stadt Nördlingen.
Abstract der bisher nur auf Mikrofiche veröffentlichten Dissertation "Hohen- und Niederaltheim: die Geschichte zweier Orte im Ries. Mit Anmerkungen zur Problematik der Ortsgeschichtsforschung", Universität Augsburg, 1991

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zum 20. September 2007



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